Wir kennen das Phänomen aus der IT-Welt. Hier geht die Kommunikation fast ausschließlich auf Basis englischsprachiger Fachausdrücke. Ein Außenstehender hat dann kaum eine Chance dieses Kauderwelsch zu verstehen. Auch im M&A-Geschäft wurde die deutsche Sprache weitgehend durch angelsächsische Fachausdrücke ersetzt. Wenn sich Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, Steuerberater und Investmentbanker unterhalten, dann staunt der Laie. Hier ist von Confidentiality Agreement, Fee Arrangement, Long List, Data Room, Closing usw. die Rede, wobei die Begriffe nicht selten missverstanden und fehlinterpretiert werden. Das führt zu Problemen bei den Verhandlungen und möglicherweise zu einer Gefährdung des Transaktionserfolges.

Wenn Sie sich mit dem Gedanken eines Unternehmenskaufs oder –verkaufs beschäftigen, so sollten Sie wenigstens die wichtigsten Vokabeln kennen: Ganz am Anfang des M&A-Mandats steht der sogenannte „Beauty Contest“, auch „Pitch“ genannt. Bei diesem Schönheitswettbewerb möchte der M&A-Berater seine Persönlichkeit und seine Kompetenz verkaufen. Hat der M&A-Berater schließlich das Mandat, den Auftrag, erhalten, dann erstellt er z. B. bei einem Verkaufsprozess („sales process") zunächst ein „Information Memorandum“. In diesem Memo wird das Unternehmen für den „Potential Purchaser“ (möglichen Käufer) in Hinblick auf Geschäftsmodell, Markt, Produkte, Organisation, mittelfristige Planung („Business Plan“) beschrieben. Außerdem wird eine „Indicative Valuation“, also eine erste richtungsweisende Bewertung, des Zielunternehmens („Target“) durchgeführt. Auf Basis der Selektion der potentiellen Übernehmer („Potential Buyer“) wird eine sog. „Long List“ erstellt. Gemeinsam mit dem Mandanten entwickelt der Berater schließlich eine „Short List“ potentieller Käufer, die der Erstansprache („Marketing Approach“) dient.

Besteht bei einem Kandidat ein seriöses Kaufinteresse, dann erhält er nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung („Confidentiality Agreement“) das Informationsmemorandum. Die vom Verkäufer gemeinsam mit dem Berater ausgewählten interessantesten „Potential Buyers“ werden aufgefordert einen harten „Letter of Intent“ (Absichtserklärung) mit einem „Non-Binding Offer“ (unverbindlichen Kaufpreisangebot) abzugeben. Ggf. wird das Kaufobjekt auch im Rahmen eines „Bid“-Verfahrens oder einer „Auction“ (Biet-/Auktionsverfahren) veräußert.

Die ausgewählten Interessenten erhalten die Möglichkeit zur „Due Diligence“, d. h. zur detaillierten Prüfung der Bereiche Finanzen, Steuern, Recht, Technologie und Markt. Diese Prüfung findet im sogenannten „Data Room“ statt, einem physischen oder virtuellen Raum, im dem alle relevanten Dokumente abgelegt sind. Nach der „Due Diligence“ werden die potentiellen Käufer aufgefordert, ein verbindliches Angebot („Binding Offer“) abzugeben. Mit dem attraktivsten potentiellen Übernehmer tritt man dann in exklusive Verhandlungen ein. Haben sich Käufer und Verkäufer auf eine finale Version des Kaufvertrages geeinigt, so kommt es dann zum „Signing“ bzw. „Closing“. Damit ist die Unterzeichnung des Kaufvertrages bzw. der erfolgreiche Transaktionsabschluss gemeint.

Wie diese knappe Zusammenfassung des Transaktionsprozesses bereits vermuten lässt, ist die Anzahl der M&A-Fachvokabeln gigantisch. Ohne große Ausschweife ließen sich damit ganze Bücher füllen. Umso wichtiger ist es das Fachchinesisch genau zu verstehen, um stets den Überblick zu behalten. Ein guter M&A-Berater muss deshalb auch ein perfekter Dolmetscher sein, denn sonst verstehen irgendwann alle nur noch spanisch.